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Breathwork-Kritik: Ist Holotropes Atmen gefährlich?

Atemarbeit kann so erholsam sein und ungeahnte Kräfte wecken. Aber falsch angewendet, birgt vor allem das intensive Holotrope Atmen Gefahren. Welche das sind und wie Breathwork zu einer sicheren und wirklich unterstützenden Praxis wird, wollten wir von den beiden Breathwork-Lehrern Marion und Bernhard Hötzel wissen. Beide halten regelmäßig Breathwork-Seminare in Österreich.

Liebe Marion, lieber Bernhardt, ihr übt seit vielen Jahren Breathwork. Habt ihr jemals erlebt, das Atemübungen negative Auswirkungen haben können? Ist Breathwork gefährlich?

Es können alte und unbekannte Traumata auftauchen, von denen weder der Klient noch der Begleiter etwas weiß. Der Begleitende sollte sich also unbedingt mit Traumatherapie auskennen und unter Supervision viele Sessions begleitet haben.

Können durch Breathwork auch echte psychische Probleme entstehen?

Veränderte Bewusstseinszustände sind für viele Menschen eine besondere und sehr intensive Erfahrung. Aus nicht verarbeiteten Erfahrungen können sich jedoch auch psychische Probleme ergeben, wie etwa existenzieller Stress und Psychosen. Durch die besondere Form der Atmung, die wir so im Alltag nicht vollziehen, kommt es zu Grenzerfahrungen. Diese entstehen durch einen paradoxerweise auftreten Sauerstoffmangel. Inwieweit sich das bei verschiedenen Typen unterscheidet, kann ich nicht sagen. Woran es liegt, das einige stabiler und realistischer sind als andere, weiß ich ebenfalls nicht. Sagen aber kann ich, dass es solche Unterschiede durchaus gibt. So gilt immer die Devise: Langsam beginnen und lange Pause machen.

Treten heutzutage häufiger Probleme auf als früher? 

Das sehe ich nicht. Die Beschäftigung mit der Atmung war früher einigen Insidern vorbehalten. Nämlich Menschen, die sich zur Meditation in spezielle Meditationshäuser und Institute zurückzogen, die meist außerhalb von Europa waren.

Heute sind Meditation, Selbsterfahrung und die Beschäftigung mit dem Atem in die gesellschaftliche Mitte gerückt. Wir können sagen, dass Atemarbeit heute eine Renaissance erfährt und gerade zum Hype wird. Viele möchten aber nur erweitere Bewusstseinsbereiche erleben – ähnlich wie beim Drogenkonsum. Das macht den Umgang mit Breathwork auch bedenklich. Denn nach jedem High kommt der Fall. Eine schnelle Bewusstseinserweiterung wird niemals ohne Schäden ablaufen, weil sie nicht in die Persönlichkeit und den Alltag integriert ist.

Welche Kritik äußern Schulmediziner am Breathwork, speziell am Holotropen Atmen?

Der Physiologe Prof. Dr. Jens Rettig hat darauf hingewiesen, dass falsch angewandtes Breathwork gefährlich sein kann. Wenn man Holotropes Atmen zu lange übt, kann das unerwünschte Nebenwirkungen haben und dem Hirn schaden.

Wie lange sollte man Breathwork denn üben?

Bei Einzelsitzungen reichen rund 10 Minuten schon aus. Dann steigern wir auf 30 Minuten. Die Länge von 90 Minuten sollte nicht überschritten werden und gilt für Menschen, die sich schon an Breathwork gewöhnt haben. In unseren Workshops beginnen die Sessions kurz und steigern sich dann im Verlauf des Seminars.

Welche Wirkung hat Holotropes Atmen normalerweise? Wofür ist Breathwork gut?

Es geht darum, uns an die Kraft des Atems zu gewöhnen, ihn kennenzulernen und ihm den natürlichen Freiraum zu gewähren, den er von Natur aus innehat. Einen Freiraum, der uns lebendig sein lässt und uns ermöglicht, einen mitfühlenden Raum zu erfahren, in dem alles seinen Sinn und Grund hat. Einen Freiraum, in dem wir unser eigenes Potenzial, unseren Wesenskern, in seiner ganzen Fülle leben, damit er sich lebendig entwickeln und gestalten kann. So ist der Atem etwas Heiliges für uns, vielleicht das Wertvollste, das wir besitzen und doch auch nicht besitzen. Etwas, das uns gegeben wurde und auch wieder genommen wird.       

Kann Breathwork – richtig angewandt – auch gesund sein?  

Natürlich! Wir lernen den positiven Umgang mit Emotionen und unsere Handlungen werden klarer und gelassener. Auch mit temporär übermäßigem Stress lernen wir durch den Atem besser umzugehen und führen den Körper viel schneller in den Entspannungsmodus. Die Körpertemperatur gleicht sich im Laufe der Atmung aus und kommt in Balance. Insgesamt werden wir psychisch gelöster und sensibel für unsere Bedürfnisse. Das Immunsystem regeneriert sich und unsere Kraftressourcen weiten sich aus.

Wie kann man dafür sorgen, dass die Atemübungen gesund und nicht zerstörerisch wirken?

Wir dürfen die Entwicklungen, die sich im Holotropen Atmen ergeben können, nicht dem Zufall überlassen. Sie müssen in den Alltag integriert werden, um verarbeitet werden zu können. Die sanfte Hinführung zu den verschiedenen Ebenen des Atems ist uns dabei sehr wichtig. Die Sessions sind wohldosiert und haben lange zeitliche Abstände, damit sich das Geschehen in den Alltag integrieren kann. Auf diese Weise ermöglichen wir eine Befreiung der ursprünglichen Atmung und eröffnen dadurch einen direkten Zugang zum Unterbewusstsein. Hier liegt der Schlüssel zu Erkenntnis und in der Folge zu innerem Gleichgewicht.

In der Phase unseres Werdens waren wir aufgehoben im Rhythmus der Atmung der Mutter. So sind wir tief in uns an die Melodie und die Kraft des Atems gewöhnt. Mit diesem tiefen Wissen, das in unsere Zellen eingedrungen ist, kommen wir auf die Welt und beginnen unseren eigenen Atem- und Lebensrhythmus.

Können auch Menschen mit Angststörungen, Traumata oder Depressionen Breathwork üben? Müssen sie etwas Spezielles beim Holotropen Atmen beachten?

Generell kann jeder mit dem Atem arbeiten. Menschen mit psychischen Vorbelastungen sind ja meist in ärztlicher Behandlung. In Absprache mit dem behandelnden Arzt und einem erfahrenen Breathwork-Therapeuten kann man hier erstaunlich gute Ergebnisse erzielen.

Kann man Holotropes Atmen alleine üben oder ist eine professionelle Anleitung unbedingt erforderlich?

Zu Beginn ist eine professionelle Anleitung unbedingt empfehlenswert!

Vielen Dank für das Interview!

Über Marion und Bernhard Hötzel

Bernhard und Marion Hötzel verfügen über mehr als vier Jahrzehnte an Erfahrung in der Praxis der Meditation. Sie haben phasenweise in Meditationszentren gelebt, bevor sie im Jahr 2009 ihre eigene Schule für Meditation am Mondsee eröffneten.

Sie sind mit verschiedenen Meditationstechniken, MBSR und Yoga vertraut, und sie sind ausgebildete Atemtherapeuten nach Stanislav Grof und Ilse Middendorf. Ihr Wissen haben sie zudem durch Methoden wie Rebalancing, Ayurveda, Gestalttherapie und Bioenergetik erweitert. Ihr heutiges Wissensfeld gehört dem Wachstum von Bewusstsein und der Phänomenologischen-Psychologie.

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