Transformation in der Dunkelheit: Über Wirkungen und Ablauf einer Schwitzhüttenzeremonie

Schwitzhütten sind zwar uralt, erfüllen ihre Zwecke aber auch heute noch. Gastautorin Mandy Kertz berichtet Wissenswertes über Wirkungen und Ablauf der Zeremonien und teilt ihre persönlichen Erfahrungen. 

Schwitzhütte in Südtirol
Schwitzhütte in Südtirol – Quelle: www.lebensglueck.it

Was ist eine Schwitzhütte?

Dieses Reinigungsritual wurzelt sowohl im indianischen als auch im keltischen Kulturkreis.

Neben der Schwitzhütte selbst, die für Mutter Erde steht, ist auch der vertrauensvolle Feuerhüter ein wichtiges Element. Er schafft einen sicheren Rahmen und hält ihn während der Schwitzhüttenzeremonie aufrecht.

Glühend heiße Steine sorgen dafür, dass im Innenraum 90 Grad Celsius und mehr entstehen.

Weil man sich in Runden von jeweils einer Stunde der glühenden Hitze aussetzt, steigt die Körpertemperatur beachtlich an. Jeder, der einmal einen solchen plötzlichen Anstieg der Körpertemperatur erlebt hat, kennt vielleicht den daraus resultierenden halluzinierenden Effekt.

Schwitzhütten werden im Allgemeinen von erfahrenen Schamanen geleitet. Während der Zeremonie singen die Teilnehmer rituelle Leider oder chanten Mantren.

Wozu dient eine Schwitzhütte?

Obwohl Schwitzhütten im Allgemeinen eine spirituelle Bedeutung haben, stärkt die Zeremonie den gesamten Körper. Denn es werden zum Beispiel auch Entgiftungsprozesse aktiviert, der Blutdruck senkt sich, der Sauerstoffgehalt im Blut steigt an und Infektionen werden innerlich bekämpft.

Hinzu kommt, dass die Anstrengungen so extrem sind, dass die Erfahrung auch den Geist stärken kann und weitere innere Transformationsprozesse in Gang kommen.

Ablauf der Zeremonie

Der Bau der Hütte, der dazugehörige Aufbau des Feuers und die gesamte Durchführung der Zeremonie richten sich immer an eine ganz bestimmte Abfolge. Die Schwitzhütte besteht aus einem Lagerfeuer, glühenden Steinen und aus einem Astgerüst, das mit Decken oder Fellen bedeckt wird.

Im Detail sieht die Schwitzhütte so aus: Über einem aus Zweigen geflochtenen kuppelförmigen Bau werden nach einem Schalenprinzip Decken gelegt, bis der Raum innerhalb der Kuppel blickdicht ist. In der Mitte ist ein Loch im Boden ausgehoben, in dem sich während der Zeremonie die glühenden Steine befinden.

Diese Steine werden so lange im Lagerfeuer erhitzt, bis sie glühen. Danach werden sie in die Hütte geschoben: Der Leiter verschließt nun den Eingang und gießt Wasser über die Steine. So entsteht eine unsagbare feuchte Hitze wie in der Sauna. Diese rot glühenden Steine bringen am Anfang der Runden noch etwas Licht ins Dunkel, doch nach den ersten Wasseraufgüssen ist es dann schon wieder schnell ganz duster.

Diese Dunkelheit in Kombination mit der Hitze kann zu einer intensiven Erfahrung führen. Das Erlebnis ist für jeden anders – mal ist es intensiver, mal erleichternd. In jedem Falle kann man sich auf sein Innenleben konzentrieren, und das bei jeder einzelnen Runde, was sehr heilsam sein kann.

Ort der Transformation

Wir öffnen uns und widmen uns so den inneren Themen. Es entsteht ein sakraler Ort, der die Dimensionen von Zeit und Raum aufhebt und uns unsere Verbundenheit mit dem großen Ganzen erleben lässt. Was vorher nicht wahrgenommen werden konnte, wird auf diese Weise bewusst und darf heilen. Dieses uralte Ritual ist kein Spaziergang!

Beliebt sind Schwitzhütten auch dafür, alten Ballast abzulegen und sich neu auszurichten. Denn durch die Prozesse werden Ebenen zu tiefen Erinnerungen frei, denen wir nun begegnen können.

Schwitzhüttenritual – Quelle: www.lebensglueck.it

Während der Zeremonie kann man vollkommen frei werden von Konditionierungen, Glaubenssätzen oder anderen Einschränkungen. Es besteht die Möglichkeit, sich wertfrei und ehrlich zu erkennen und entscheidende Impulse für den eigenen Weg zu erhalten. So kann man Zugang finden zu seinen inneren Stärken – unverfälscht, ehrlich und direkt.

Dazu gehört auch, die eigenen Schattenseiten wahrzunehmen. All dies sind die ersten Schritte und eine Voraussetzung für Veränderungen. Veränderung kann niemand erwerben, es gibt sie nicht im Supermarkt. Aber jeder kann sie selber bewirken. In der Schwitzhütte kann man die Kraft dafür tanken.

Zusätzlich kann man Altes, inzwischen Unnötiges oder gar Belastendes erkennen und abgeben. Manche tragen danach ein Gefühl der Erneuerung und der Transformation nach außen. Ich kann nur sagen, dass ich sehr von der Schwitzhüttenzeremonie sehr profitiert habe.

 

Über die Autorin Mandy Kertz:

Die in Berlin lebendete Mandy alias „Mandalay Yoga“ ist Gründerin & Autorin des „Happy-Spirit-Yoga-Blogs“. Sie ist passionierte Yogalehrerin und bezeichnet sich selbst als reisebegeisterte Großstädterin, die immer wieder das Fernweh packt. Ihre Erkenntnisse aus jahrelanger Yoga-Praxis und den vielen Reisen, teilt sie auf ihrem Blog mit all denen die Lust haben auch auf ihre eigene „Reise der Erkenntnis“ zu gehen, um sich selbst ein Stück näher zu kommen.

3 Kommentare zu “Transformation in der Dunkelheit: Über Wirkungen und Ablauf einer Schwitzhüttenzeremonie

  1. Eine wahnsinnige Erfahrung, die du hier schilderst. Ich würde auch gern mehr Abenteuer erleben, aber dafür muss ich zuerst besser Englisch lernen. Ich glaube ein Sprachkurs wäre hierbei ganz sinnvoll. Ich freu mich noch mehr von dir zu lesen!

  2. Hallo, vielen Dank für deinen Kommentar, es ist nie zu spät mehr Abenteurer in das Leben zu integrieren und für eine Schwitzhütte, brauchst du keine Fremdsprache zu erlernen – einfach ausprobieren. Es gibt genügend Anbieter deutschlandweit. Viel Spaß dabei.

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