Wege in die Stille: Wie deine Wanderung zur Meditation wird

Tina hatte sich so gefreut: Den türkisblauen Eibsee am Fuß der Zugspitze wollte sie schon lange sehen. Jetzt ist es endlich Wochenende – und sie trottet um den See und kann nicht abschalten. Die Worte ihres Chefs, die Deadline nächste Woche und der Streit mit ihrem Freund gehen ihr nicht aus dem Kopf. Der See ist wirklich so blau wie im Reiseführer – aber sie sieht ihn gar nicht. Sie ist gar nicht wirklich da. So hatte sie sich ihre Wanderung nicht vorgestellt …

Das Schöne am Wandern, die Weite der Berge, der Wind in den Baumkronen und die sattgrünen Wiesen voller Wildkräuter nimmt nur wahr, wer achtsam ist. Wer genau hinhört, lauscht dem Klang der Stille, wer genau hinsieht, ist fasziniert von der Schönheit eines Ahornblattes. Das kann man lernen. Die folgenden Achtsamkeitsübungen zeigen, wie’s geht.

Steinpyramide am Schwarzwaldbach
Meditation am Schwarzwaldbach….
(© Wainando Travel)

Der Stille lauschen – aber wie?

Die Stille der Berge kannst du nur hören, wenn du selber still wirst. Höre genau hin: Das Knacken der Kieselsteine unter deinen Schuhen, das Lied der Vögel, ihr Atem, der mit zunehmender Steigung tiefer wird. Nimm all das wahr, ohne es zu bewerten oder zu kommentieren. Es gibt jetzt nichts, dass du intellektuell begreifen müsstest – du musst nichts tun, außer zu lauschen. Ärgere dich nicht, wenn dich immer neue Gedanken ablenken. Kehre einfach zu den Klängen der Berge zurück. Mit der Zeit wird der innere Lärm leiser, dann bemerkst du vielleicht die Lücken zwischen deinen Gedanken. Diese Lücken füllen sich langsam mit der Stille, die um dich herum ist und auch in dir lebt.

Wenn du still wirst, nimmst du die Welt um dich herum ganz anders wahr. Die kleinen Blumen, die aus den Spalten eines zerklüfteten Felsens wachsen oder das tiefe Blau des Himmels, das sich über die duftenden Nadelwälder spannt, fallen dir sonst vielleicht gar nicht auf. Schau genau hin und nimm Notiz von den kleinen Dingen, denen du auf deiner Wanderung begegnest.

Tiefes Blau des Himmels sehen.
Einfach Himmel.
(© Idella Maeland / unsplash.com)

Wie gut spürst du deinen Körper?

Die schönen Berglandschaften und die Ruhe, die sie ausstrahlen, sind gute Meditationsobjekte. Aber auch das Wandern an sich hilft, sich zu entspannen. Spürst du jeden einzelnen Schritt, jede Bewegung deiner Muskeln und deine Fußsohlen auf der Erde, die trägt? Oder den Wind auf deiner Haut und die Sonnenstrahlen, die dich wärmen? Während du wanderst, ist dein Körper ständig aktiv – ob du es bemerken oder nicht. Wenn du deine Wahrnehmung auf deinen Körper richtest, spürst du vielleicht ein leises Kribbeln, eine Welle von Energie oder die Anspannung der letzten Tage – je nachdem, wie es dir gerade geht. Aber wenn du dir erlaubst, dich zu entspannen, wird das Gefühl bald angenehm sein. Dein Körper ist lebendig – spüre ihn!

Atemmeditation für Wanderer

Der Atem ist ein besonders beliebtes Meditationsobjekt – er ist immer da, im Büro, im Bus und natürlich auch in den Bergen. Beim Wandern kannst du genau beobachten, wie sich dein Atem verändert: Anfangs bemerkst du ihn vielleicht kaum, weil er flach ist, aber je steiler es bergauf geht, desto tiefer wirst du atmen. Spüre, wie der Atem durch die Nase strömt und deine Lungen füllt. Atme bis ins Zwerchfell, um so viel Sauerstoff wie möglich aufzunehmen. Sauerstoff ist die Quelle der Energie, die Quelle des Lebens. Das kannst du ganz leicht testen: Versuche flach zu atmen oder die Luft anzuhalten, wenn die Steigung zunimmt. Es ist fast unmöglich! Der Körper braucht gerade jetzt viel Sauerstoff.
Das ständige Auf und Ab des Atems hilft aber auch, deinen Geist zu beruhigen. Es fällt dir leichter, sich zu konzentrieren, den Alltagsstress abzuschütteln und in der Gegenwart zu leben. Denn der Atem ist immer jetzt – und nie in der Vergangenheit.

Wandergruppe am Watzmann
Schritt für Schritt zur inneren Ruhe….
(© Wainando Travel)

Praktische Tipps für deine Wanderung

Meditationsübungen beim Wandern helfen dir nicht nur, die Natur zu genießen, sondern auch, die Meditation in den Alltag zu integrieren. Das ist besonders wichtig für Menschen, die normalerweise zu Hause oder in einer Gruppe meditieren. Achtsamkeit wird nur lebendig, wenn du auch im Alltag Anwendung findet. Wie gestaltest du deine Wanderung am besten, um dafür einen guten Rahmen zu schaffen?

Wenn du in einer Gruppe wanderst, kannst du vereinbaren, für eine gewisse Zeit zu schweigen. Oder du marschierst alleine los. In diesem Fall ist es hilfreich, wenn du die Wanderroute bereits kennst. Sonst musst du dauernd im Reiseführer nachsehen, welche Abzweigung du nehmen musst – das lenkt ab. Alternativ kannst du dich auch einer Wandergruppe anschließen, die dieselben Interessen verfolgt wie du. Wanderungen mit inspirierendem Kontext findest du hier.

Meditation beim Wandern
Hooker Valley Track Neuseeland.
(© Wainando Travel)

14 Gedanken zu “Wege in die Stille: Wie deine Wanderung zur Meditation wird

  1. Danke für diesen schönen Beitrag.
    Ich gehe zum Meditieren in die bayerischen Berge. Mit kleinen Gruppen und auf verschwiegenen Wegen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell man belastende und sorgenvolle Gedanken loslassen kann bei dieser Art von “Bergmeditation”.
    Ich hoffe dass mehr und mehr Menschen die Freuden der Meditation in der Natur kennenlernen.
    mit herzlichen Grüßen
    Karl

    1. Ganz lieben Dank lieber Karl! Das hoffen wir auch, dass immer mehr Menschen Meditation für sich finden. Vielleicht lernen wir uns mal auf einem Berg kennen :-). Alles Liebe vom Wainando-Team

  2. Ein wunderschöner Beitrag wie Wandern zur Meditation wird. Genau so erlebe ich es auch, ebenfalls meine Seminar-Teilnehmer. Gerade waren wir im wunderschönen Berchtesgadener Land und im August biete ich Wandern und Meditieren im Harz an.
    Alles Liebe

    Ursel Maxima

  3. Auch ich habe oft Probleme beim Abschalten. Schön zu wissen, dass man durch einen Wanderurlaub in den Bergen Abhilfe schaffen kann. Ich werde Ihren Tipps folgen und bald ein Hotel in einer schönen Landschaft suchen.

  4. Vielen Dank für die Aufklärung der gesundheitlichen Vorteile vom Wandern. Besonders der Punkt des Alltagsstressabbaus ist für mich wichtig. Ich werde dann bald auch ein Wanderhotel dafür buchen.

  5. Ich plane nun schon länger einen Wanderurlaub um abzuschalten. Ich werde auf meine Atmung achten und versuchen auch mal zu schweigen. Nun brauche ich nur noch ein Gasthaus.

  6. Mit meiner Frau würde ich gerne im Sommer in die Berge und einige Wanderungen machen. Ich finde Ihre Idee dabei aber gut, Zeiten der Stille und Meditation zu vereinbaren. Ich denke, da es unsere erste Wanderung wird, werden wir eine Selbstversorgerhütte buchen und noch nicht Zelten gehen.

  7. Das ist ein sehr guter Tipp, Meditation beim Wandern zu üben. Wenn man mitten in der Natur ist, kann man sich auch besser konzentrieren. Das möchte ich gerne bei meinem nächsten Wanderurlaub ausprobieren und dann hoffentlich auch in meinem Alltag integrieren.

  8. Es stimmt wirklich, dass man die Schönheit der Natur bei einem Wanderurlaub nur sieht, wenn man achtsam ist. Als ich letztes Jahr im Schwarzwald war, habe ich erst nach einigen Tagen die Ruhe wirklich würdigen können. Es stimmt wirklich, dass schöne Berglandschaften gute Meditationsobjekte sind.

  9. Eine Wanderung als Meditation. Keine schlechte Idee. So kann man wirklich zur Ruhe kommen. Ich werde in meinem nächsten Wanderurlaub die Atemmeditation ausprobieren.

  10. Wir machen seit Jahren nur noch Wanderurlaube. Uns gefällt die Ruhe und die Natur. Auf die Idee dort zu meditieren sind wir bisher noch nicht gekommen, aber probieren es gern einmal aus. In einer Gruppe ist es vermutlich noch etwas verbindender.

  11. Vielen Dank für diese tollen Tipps für das Wandern. Die Atemmeditiation werde ich auf meiner nächsten Wanderung defintiv ausprobieren. Bald geht es für mich in den nächsten Urlaub und ich möchte mir vorher noch ein Hotel für Wanderer buchen.

  12. Ich möchte einen Wanderurlaub in Angriff nehmen. Ich reise jedoch auch mit einer Gruppe. Mir gefällt die Idee einen Rahmen abzusprechen in dem man Zeit für Stille einräumt.

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