Yin ist „in”! Was ist Yin Yoga und welche Wirkung hat es?

Wieso das meditative, langsame und passive Yin Yoga so gut in unsere schnelllebige Zeit passt und immer mehr begeisterte Anhänger findet, erklärt Yogalehrerin Elke Hunziker in diesem Gastartikel.

Innehalten mit Yin Yoga

Yoga boomt. Aber Vorurteile wie „die liegen ja nur herum, atmen komisch und singen Om” halten sich hartnäckig. Als Yin-Yoga-Lehrerin kann ich dazu nur sagen „guilty as charged”. Denn im Gegensatz zu den dynamischen, aktiven Yang-Formen wie beispielsweise Vinyasa, Hatha Flow oder Ashtanga Yoga geht es im Yin Yoga nicht darum, Muskeln zu aktivieren, Kraft aufzubauen und bei einer fließenden Yogasequenz das Herz-Kreislauf-System anzuregen.

Im Yin Yoga geht es vor allem ums Innehalten, Loslassen, Hinschauen und Wahrnehmen. Es geht um Qualitäten, die in unserem hektischen Alltag und dem ständigen Streben nach mehr vielen Menschen schlichtweg abhandengekommen sind.

Yin Yoga stillt unsere Sehnsucht nach Ankommen, nach Entspannung, nach dem Gefühl, einfach sein zu können und nichts mehr leisten oder beweisen zu müssen.

Den eigenen Denkmustern begegnen

Aber Achtung: Yin Yoga kann gleichzeitig ganz schön herausfordernd sein und darf keinesfalls unterschätzt werden. Durch das lange Verweilen in den Yin-Yoga-Asanas begegnen wir sehr schnell unseren Denk- und Verhaltensmustern. In der Regel werden die Stellungen drei bis fünf Minuten gehalten.

Ungeduld, Unruhe, Frustration, Verurteilung, Langeweile oder das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, melden sich gerne genau dann, wenn wir ein paar Minuten ganz passiv in einer Stellung bleiben und uns in die Dehnung hinein entspannen sollen. Doch genau hier finden wir mit Zeit und Übung das geniale Geschenk, das uns Yin Yoga macht: Wir lernen in den langen Phasen des Haltens loszulassen. Unsere Muskelanspannung, den Leistungsdruck, den Stress, den Alltag, unsere Erwartungen und Ansprüche. Und das tut schlicht und einfach gut.

Was genau ist Yin Yoga und wie wirkt es?

Yin Yoga ist eine passive, sanfte und ruhige Form des Yoga mit einer starken Tiefenwirkung. Damit ist Yin Yoga eine wunderbare Ergänzung zu den dynamischen Yang-Formen des Yoga und zu allen aktiven Sportarten.

Yin Yoga kennt vorwiegend sitzende und liegende Asanas, in denen wir über mehrere Minuten mit Hilfe der Schwerkraft und durch das bewusste Loslassen der Muskelanspannung den Körper in die Haltung hineinschmelzen lassen. Was sich einfach anhört, kann herausfordernd sein. Im Yin Yoga sprechen wir vom sogenannten „Wohlweh” oder „süßen Schmerz” und meinen damit Empfindungen, die durch die tiefe Dehnung entstehen können.

Die so erreichten positiven Impulse gelangen bis in die tiefen Schichten des körperweiten Faszien-Netzwerks (Bindegewebe), reduzieren Stress und energetisieren und regenerieren das Nervensystem. Durch das langsame Hineinsinken in die Asanas können mit der Zeit Verhärtungen und Verklebungen im Bereich der Faszien gelöst werden. Das Bindegewebe wird elastischer und die Muskeln entspannen sich.

Auf der mentalen und emotionalen Ebene erlauben uns die Yin-Yoga-Haltungen, genauer hinzuschauen, uns zu spüren und uns wieder als Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen wahrzunehmen und nicht als funktionierendes Etwas. Das kann uns dabei helfen, alte Denkmuster loszulassen, ein gesundes Vertrauen ins Leben zu entwickeln und geistige Klarheit zu finden.

Yin Yoga lädt uns dazu ein, wieder bei uns selber anzukommen und Ruhe und Zufriedenheit in uns selbst zu entdecken. So können wir unser wahres Ich, das wir im hektischen, nach außen orientierten Alltag leicht aus den Augen verlieren, wieder ganz bewusst wahrnehmen.

Auf der energetischen Ebene wirkt Yin Yoga auf das Meridiansystem – einem körperweiten System aus Energieleitbahnen. Die Yin-Yoga-Praxis öffnet die feinstofflichen Energiekanäle im Körper, damit die Lebensenergie wieder frei fließen kann. Nach einer Yin-Yoga-Stunde fühlt man sich geerdet, gelassen, entspannt, zentriert und ganz bei sich. Kein Wunder, dass Yin heute „in“ ist.

Über die Autorin Elke Hunziker

Die gebürtige Schwarzwälderin lebt seit über 20 Jahren in der Nähe von Zürich, wo sie seit Anfang 2016 in ihrem Yogastudio NOMAD YOGA mit viel Herzblut unterrichtet. Nach Ausbildungen in Vinyasa und Yin Yoga lässt sie auch viele andere Yogarichtungen und Entspannungstechniken in ihren Unterricht einfließen. Yoga ist für Elke eine wunderbare Lebensphilosophie und ein holistisches Training, das ihr in unserer lauten, schnellen Welt Ruhe, Energie, Gelassenheit und Lebensfreude schenkt.

 

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