Was die Ausgangsbeschränkung mit mir macht – und was ich mit ihr mache

Man munkelt, dass die Beschränkungen nach Ostern gelockert werden. Wow, das macht etwas mit mir. Überraschenderweise aber nicht das, was ich erwartet hatte. Ich ertappe mich dabei, dass ich darüber nachdenke, wie schön die Stille ist, als ich an einer leeren Schule vorbeilaufe.

Bin ich wirklich soweit, wieder komplett auf die Öffentlichkeit losgelassen zu werden? Ich komme zu einem klaren Nein! Und das nach all diesen Wochen? Das kann doch nicht sein? Doch, das kann es.

Ich muss mir eingestehen, dass es wahrscheinlich die anstrengendsten Wochen meines Lebens waren. Ich habe die Zeit als unglaublich herausfordernd und stressig empfunden. Ich wurde mit all meinen Ängsten konfrontiert. Und ich habe mit mir, aber vor allem mit anderen gehadert.

Deutsche müssen draußen bleiben

Ich reise gerne und bei jeder Flughafenkontrolle bin ich dankbar dafür, einen deutschen Pass zu haben. Welches Privileg ist es, fast überall auf der Welt ohne Beschränkungen ein- und ausreisen zu dürfen? In fast allen Ländern der Erde mit offenen Armen aufgenommen zu werden? Das habe ich begriffen, als ich sah, welche Probleme mongolische Freunde von mir hatten, ein deutsches Visum zu bekommen.

Aber noch nie habe ich die andere Seite gespürt. Die Angst der anderen vor uns. Was bedeutet es, in der Rolle des anderen zu stecken? Plötzlich dürfen wir nicht mehr überall einreisen. Man hat Angst vor uns Deutschen. Uns werden Visa entzogen. Unsere Freunde im Ausland haben Mitleid mit uns wegen einer Angst, die nicht meine ist. Bin ich wirklich frei von solchen Ängsten? Wow, das macht etwas mit mir.

Wo bin ich in all dem?

Medienberichte voller Dramen, Tod und Eskalation. Ich merke, dass mir das nicht guttut und trotzdem sitze ich gebannt vor dem Fernseher. Irgendwann reduziere ich meinen TV-Konsum dann doch. Aber schon bald befinde ich mich im WhatsApp-Krieg. Verschwörungstheorien machen die Runde und ich versende und empfange jede Menge Nachrichten und Links und verteile die Meinung anderer.

Und dann frage ich mich: Wo ist eigentlich mein Platz in all dem? Was ist meine innere Wahrheit? Ich stelle fest: Wenn ich mit mir selbst verbunden bin, dann ist es völlig egal, wer was erzählt. Ich weiß ganz genau, was richtig ist! Wow.

Meditation an den Moeraki Boulders

Bevormundung! Ernsthaft?

Es herrscht Ausgangsbeschränkung in Bayern. Herr Söder erzählt, dass er quasi darum angefleht wurde. Nein, das kann doch nicht sein. Oder doch? Wir leben in einer Gesellschaft, die noch Zeitzeugen einer ganz anderen Ära kennt. Als ich noch Schülerin war, wurden die Geschichten von den Scholl-Geschwistern so oft erzählt, dass wir sie nicht mehr hören konnten. Und jetzt purzeln die Persönlichkeitsrechte in einer Geschwindigkeit, wie es sich selbst ein schlechter Science-Fiction-Autor nicht hätte ausdenken können?

Und dann? Volle Breitseite. Meine Ängste vor Bevormundung und Sanktionen lassen Panik aufkommen. Bin ich mutig genug, meine Meinung zu sagen? Nein, ich bin es nicht, ich bin nicht Jeanne d’Arc. Das lässt tief blicken. Nicht schön, was da kommt, aber es öffnet auch eine Tür für inneren Frieden. Ich realisiere, dass wir in einem Land leben, in dem es einen Unterschied zwischen Ausgangsbeschränkung und Ausgangssperre gibt. Wir haben ein starkes Grundgesetz. Es kommt jetzt darauf an, das auch mutig zu leben und einzufordern. Und dafür muss ich nicht Jeanne d’Arc sein. Was für ein Privileg, hier leben zu dürfen!

Die Angst vor der Angst der anderen

Es fällt mir schwer, die Angst in den Gesichtern der anderen zu sehen. Ich merke, dass ich Menschenmengen aus dem Weg gehe. Nicht weil ich Angst vor dem Virus habe, sondern weil ich Angst vor der Angst habe. Wortfetzen aus Gesprächen der anderen machen etwas mit mir. Zum Beispiel als eine Dame erzählt, dass sie Angst vor der Sonne hat, weil sich dann die Menschen wieder eng drängen könnten. Ich weiß, dass es nicht meine Angst ist, und doch zieht mich der Sog ganz tief hinab, meine Laune wird schlecht. Am Ende bin ich mir gar nicht mehr so sicher, was davon eigentlich wirklich meine Angst ist und welche den anderen gehört. Das hat jetzt alles nichts mehr mit der Eigenverantwortung zu tun, über die ich sonst so gerne referiere.

Aber dann bemerke ich, wie wenig mir die Angst der anderen ausmacht, wenn ich in meiner Mitte bin. Ich realisiere, dass ich dann den anderen sogar einen Weg aus der Angst anbieten kann, sie mit meiner Zuversicht anstecken kann. Und mein Herz kennt die Werkzeuge sehr gut, die mich dabei unterstützen. Ich muss sie nur anwenden. Wow, da ist sie also doch, die Selbstverantwortung.

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Veränderung bringt Wachstum

Ich bin in letzter Zeit immer wieder an meine Grenzen gestoßen. Aber wenn ich darüber hinaus gegangen bin, wenn ich wirklich bereit war, mir meine Ängste anzusehen, bin ich so sehr daran gewachsen. Wow, ich bin stolz auf mich. Und um ehrlich zu sein, nicht nur auf mich. Ich sehe so viel Wachstum und Chancen in dieser Zeit, dass es mich fast schwindelig macht. Es hat einfach nur jeder seine ganz persönlichen Themen und das müssen nicht meine sein.

Es gibt noch einiges in mir, das unbeantwortet geblieben ist. Und genau deshalb freue ich mich auf die Stille, in der ich mir diese Dinge in Ruhe anschauen darf. Ich merke, wie gut mir die Zeit mit mir und meinem Partner tut, wie sie Transformation und damit Frieden in mir schafft. Es fühlt sich an wie ein geschützter Raum zwischen den Welten, indem wir diese Erfahrungen machen dürfen. Jetzt gilt es, diesen Raum auch in die Zeit nach Corona mitzunehmen. Wie schön wäre es, wenn es in Zukunft keine Ausgangsbeschränkungen braucht, damit wir uns Zeit für uns selbst nehmen.

Ich bin überzeugt, dass wir vor großen Veränderungen stehen. Aber mein eigenes Beispiel macht mir Mut, dass wir diese Chance gut nutzen werden. Wenn ich in der Lage bin, all die kleinen Entwicklungsprozesse in meinem Leben zu meistern, warum sollten wir das nicht auch alle zusammen als Gesellschaft schaffen? Natürlich wird es uns mal durchrütteln, aber wenn wir mit uns selbst im Frieden sind, dann werden wir gemeinsam Großes bewirken können. Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt!

Ich bleibe dann einfach mal zu Hause – freiwillig!

Eure Michaela

2 Kommentare zu “Was die Ausgangsbeschränkung mit mir macht – und was ich mit ihr mache

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